Burgruine Randeck

 

 

Westlich vom Ortsteil Mannweiler erhebt sich oberhalb der Alsenz in hoher Spornlage die imposante Ruine der Burg Randeck.  

Ruine Randeck, Luftaufnahme von 1996, von Nordwesten. Aufnahme Manfred Czerwinski
Luftbild 2003

Abb. 1 +2
Ruine Randeck, Luftaufnahme von 1996, von Nordwesten [Bild 1] und von 2003, von Südosten [Bild 2]. Aufnahmen Manfred Czerwinski

Ihre Ursprünge reichen bis ins (wohl späte) 12. Jh. zurück, taucht doch seit 1202 in mehreren Urkunden ein Heinricus de Randekka/Henricus de Randeke auf, der sich offenkundig nach der Burg benannte. Die Anlage dürfte in seiner Zeit noch auf die Oberburg beschränkt gewesen sein, während der heute die Ansicht der Anlage prägende Bering mit der geräumigen Vorburg wenige Generationen später angelegt worden sein dürfte. Das ergibt sich aus dem Umstand, dass Anteilseigner aus einer Nebenlinie, der Ritter (miles) Siegfried von Lewenstein und sein Bruder Emmerich III Lymelzun, derzeit noch Edelknecht (armiger), am 14. Mai 1307 zwei lombardischen Kaufleuten zehnjähriges Niederlassungsrecht auf Randeck in Aussicht stellten. War die Familie von Randeck im frühen 13. Jh. auf drei, in der zweiten Jahrhunderthälfte auf fünf männliche Nachkommen angewachsen, zählte sie im beginnenden 14. Jh. zwölf Personen, darunter vier nicht auf der Burg lebende Kleriker, die übrigen Ritter. Das lässt nicht nur auf beträchtlichen Wohlstand schließen, sondern legt auch die Annahme nahe, dass hinreichend Wohnraum für Familien sowie Platz für Schlachtrösser und Vorräte zur Verfügung stand, wenn sich auch nicht alle Brüder und Vettern mit ihren Familien dort lebenslang niederließen, weil sie auswärtige Ämter als Burggraf, Vogt oder Schultheiß innehatten oder andere Burglehen mit Residenzpflicht besaßen. Überdies haben seit 1279 die vor erwähnten Lewensteiner Anteilsrechte an der Burg.

 

Die  verwandtschaftliche Abkunft der Randecker von den Herren von Wartenberg und einem Merbod von Beilstein (KL) wurde genealogisch überzeugend hergeleitet, die dienstliche Nähe zum König wird schon im 13. Jh. wiederholt dokumentiert. Ist somit der niederadelige Stamm zu den Reichsministerialen zu zählen und hat er über mehr als drei Jahrhunderte vergleichsweise viele urkundliche, inschriftliche und sogar ikonographische Spuren hinterlassen – der Totenschild des jung verstorbenen letzten Randeckers Emmerich X (Abb. 3) sowie Epitaphien seiner Vorfahren in der Kirche von Oberndorf und die erst neuzeitlich vergoldete Tumba-Platte des Richard von Lewenstein zu Randeck in der Bad Sobernheimer Matthiaskirche (Abb. 4) eingeschlossen, liegt die architektonische Entwicklung der Burg mangels geeigneter archäologisch-baugeschichtlicher Aufschlüsse weitgehend im Dunkeln.

 Bild 2 (18.6.23)  Abb. 3Bild 3 (30.4.24) Abb. 4

 

Bild 4 (1.12.24) Abb. 5

Geht man davon aus, dass Heinrich von Randeck oder sein Vater auf Eigengut einen befestigten Wohnsitz errichtet haben, dann ist er im Bereich der heutigen Oberburg zu suchen, die bergseitig durch einen teilweise aus dem Rotliegenden geschroteten Halsgraben geschützt war. Ob jenes im Nordwesten durch eine feldseitige Grabenmauer gefasste Annäherungshindernis sowie der beträchtlich starke, bei seiner Sprengung 1690 noch 50 Fuß hohe runde Bergfried mit Hocheingang in dieser Form schon zum Ausbau des 12. Jh. gehörten, bleibt ungewiss. Ähnliches gilt für den erhaltenen kurzen Abschnitt einer Umwehrungsmauer mit zierlichem rundem Flankierungsturm im Westen, die die auf einer kegelförmigen Anhöhe ruhende Kernburg in unbekannter Ausdehnung geschützt hatte, sowie für einen nördlich fluchtenden, nahe dem Graben nach Osten umbiegenden Mauerzug, der dem Bergfried vorgelegt einen Hof zu umfassen scheint. Spätestens im Verlauf des 13. Jh. dürften diese Teile der Anlage vorhanden gewesen sein, einschließlich eines Wohnbaus, der sich im teilweise freigeräumten Areal aber nicht eindeutig identifizieren lässt. Infrage kommen rund 1 m starke Mauerzüge eines mehrgeschossigen Gebäudes südlich vom Bergfriedstumpf, dessen erhaltene Ecke und Südfront durch vorgelegte Stützpfeiler verstärkt wurden (Abb. 5)

 Plan Mannweiler-Cölln_Burg RandeckAbb. 6 Plan von Burg Randeck in Mannweiler-Cölln 
© Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege Mainz, Planarchiv, Bräumer, 1987, 20326/5

 

Die Befestigung der jüngeren Vor- bzw. Unterburg gilt als aus einem Guss, was – mit Einschränkungen – für den mit teils verzahnten, geböschten Stützpfeilern stabilisierten Mauerabschnitt im Süden und Osten zutrifft (Abb. 7-9). Hier fällt ein sehr sorgfältig gesetzter Mauerwerkskanal mit leichtem Gefälle ins Auge, der sich 10,3 m Meter tief verfolgen lässt. 

 

 Bild 6 (17.11.24) Abb. 8

 Bild 5 (30.6.24) Abb. 7

 

 Bild 7 (1.12.24) Abb. 9

Die gerade mannshoch über dem rezenten Mauerfuß austretende Öffnung mag auf eine Drainage oder Randhausbebauung zurückgehen (Abb. 10-11). 

 Bild 8 (30.6.24) 

Abb. 10

 Bild 9 (1.12.24) Abb. 11

Ein westlich dieses Mauerabschnitts anschließender quadratischer Turm sowie ein darauf folgender halbrunder Turm strukturieren die Mauerfassade im Süden. Anders als es sich an der Oberburg darstellt, ist das Mauerwerk des eckigen Flankierungsturmes ebenso wie weite Teile der Ringmauer in Lehm gesetzt (Abb. 12).

       Bild 10 (1.12.24) Abb. 12

 

 

Bild 11 (1.12.24) Abb. 13

 Seine dreiseitigen Schartennischen lassen leider nicht mehr erkennen, ob sie für Bogen oder Armbrust angelegt waren, da ihre äußeren Mauerschalen modern verändert wurden (Abb. 13) und innerhalb der Schießnischen Mauersockel zeigen. Eine um 1980 vor der Ergänzung durch den Verein eingeholte Expertenmeinung sprach von Bogennischen mit Schlitzscharten, wie sie im Rheinland nicht vor staufischer Zeit begegnen und erst bei Umrüstung auf Feuerwaffeneinsatz seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. modifiziert worden sind. Eine sehr weite Öffnung mit weiter Nische in der westlichen Turmseite erinnert an ein sogenanntes Schießfenster, was an die Nutzung von Büchsen oder leichtem Geschütz denken ließe und auf die sekundäre wehrtechnische Ertüchtigung des Turmes hinweist, wenn sie denn authentisch ist (Abb. 14). 

 Bild 12 (16.12.24) 

Abb. 14

 

 

Der etwas flüchtig aus Spolien gesetzte westliche Licht- und Belüftungsschlitz ohne innere Nische im Stockwerk unterhalb des Wehrgeschosses scheint mittelalterlich zu sein; die aus rechtwinklig zur Kante scharrierten, gefalzten Fenstergewänden rekonstruierte rechteckige Öffnung im Osten (Abb. 15) ist es offenkundig nicht. Selbst an den noch etliche Meter hoch aufragenden Mauern und Türmen der Unterburg fehlen Rüstlöcher. Ihr gegenüber der Oberburg jüngeres Alter kündigt sich auch durch eine andere Mauertechnik mit verbauten Spolien, darunter gefalzte Gewändefragmente, sowie Auszwicklung mit kleinformatigem Stein und Ziegelbruch an (Abb. 16.19).

    Bild 13 (16.12.24)  Abb. 15

 Bild 14,1 (1.12.24)  Abb. 16Bild 14,2 (17.11.24) Abb. 17

 Bild 15,1 (16.12.24) Abb. 18

 Bild 15,2 (16.12.24) Abb. 19

 

 

Die Anordnung der beiden Turmgrundrisse des äußeren Berings weist Unregelmäßigkeiten zu den Fluchten der jeweils anschließenden Kurtinen auf; anderswo trifft man auf noch undatierte Material- oder Fugenbildwechsel. Was davon moderne Rekonstruktion (Abb. 20) oder vormoderne Instandsetzung ist, lässt sich derzeit nicht überall nachvollziehen. Sicher erscheint, dass die Grabenmauer sowie der äußere Bering mit Türmen und Stützpfeilern anders als das aufgehende Mauerwerk in der Oberburg in Lehm gesetzt waren (s.o.), wobei Partien mit einem graubraunen Kalkmörtel mit weißem und schwarzem mineralischem Zuschlag nachverfugt worden sind (Abb. 21).  Auch das dicht benachbarte Nebeneinander eines halbrunden Schalenturms ohne und des eckigen Turms mit Scharten lässt Zweifel aufkommen, ob der rezente Bestand der äußeren Ringmauer zur Gänze das Erscheinungsbild des beginnenden Spätmittelalters wiedergibt. 

 Bild 16,2 (16.12.24)   Abb. 20

 Bild 17 (1.12.24) Abb. 21

Historische Indizien für Zerstörungen fallen freilich dürftig aus: Die Burg blieb selbst von Bauernkrieg (1525) und Dreißigjährigem Krieg (1618-1648) verschont. Allenfalls könnte die militärisch erzwungene Öffnung Randecks im Verlauf des Landshuter Erbfolgekrieges durch Fürst Alexander von Pfalz-Zweibrücken im Jahr 1504 Schäden verursacht haben – in diesem Abschnitt der Ringmauer nur durch Fernbeschuss vorstellbar, die behoben wurden. Dass 1616 [Hans] Friedrich von Flersheim als Gemeiner und Bauherr auf Randeck erwähnt wird, bleibt ohne Belang, da sich die Stelle auch auf Wohn- und Wirtschaftsgebäude beziehen lässt. Bemerkenswert ist, dass sich unter den aufgesammelten, v.a. aber durch Freilegungen und Grabungen des KHV Mannweiler um 1980 gehobenen Kleinfunden zwar zentnerweise Gefäß- und Baukeramik sowie mehrere Kilogramm Eisen befinden, darunter jedoch nur ein einziger Armbrustbolzen und gar keine  Geschosskugel. Das ist nicht der für belagerte Burgen typische archäologische Rückstand. 

 

Bild 18,1 (1.12.24) Abb. 22

Hingegen stehen die eingelagerten Funde weitgehend im Einklang mit der urkundlichen Überlieferung zur Burg Randeck: Scherbenmaterial aus Bergfriedstumpf und Grabenverschüttung gehen bis ins 13. Jh. zurück. Der Sturz eines romanischen Zwillingsfensters (Biforium) wird zur ältesten Ausbauphase der Oberburg gehören. Auch der große halbkreisbogige Kellerzugang mit gefastem Profil unmittelbar neben dem Bergfried (Abb. 22+23) hat romanische Parallelen, doch scheinen die Bogensegmente sekundär verbaut worden zu sein. 

 Bild 18,2 (16.12.24) Abb. 23

 

Vergleichsweise reichhaltig gefundene Baukeramik, namentlich die mit Modeln dekorativ gestempelten Bodenfliesen aus gebranntem Ton (Abb. 24) sind aufschlussreiche Relikte repräsentativer Wohnkultur auf der Burg, die auch durch Rückstände von Kachelöfen und Fensterglas bestätigt wird. Die motivische Vielfalt der Fliesen speist sich aus Typen der Gotik und Renaissance, darunter erstaunlich frühe Muster aus dem 2. Drittel des 13. Jh., die sich über mehrere Fußböden verteilt haben müssen und zu den ältesten aus mittelalterlichen Profanbauten, nicht nur der Pfalz, zählen. Ornamentik und Umfang der keramischen Bodenbeläge liefern ein weiteres Indiz, dass auf Randeck über Jahrhunderte hinweg gebaut wurde. Von zerstörten Dacheindeckungen zeugen verbreitet im Schutt anzutreffende Ziegel, v.a. Fragmente halbrunder Hohlziegel („Mönch und Nonne“). 

Bild 19 (27.9.24) Abb. 24

Der im Nordosten auf den Graben zulaufende Mauerbering der Unterburg endet mit einem sehr massiven, inzwischen stark einsturzgefährdeten Segment, für das unklar bleibt, ob es sich um das Relikt eines Eckturmes handelt (Abb. 25-26). Die südlich anschließende Kurtine wurde durch eine vorgesetzte Mauerschale abgefangen bzw. verstärkt (Abb. 27). An der Stelle des mutmaßlichen Eckturms ist der Anschluss der ost-west fluchtenden Burgmauer zu denken, von der nur dürftige Reste im Versturz beobachtet und eingemessen wurden. Der Zugang zur Burg ist gegenüber im Nordwesten zu suchen, dort wo der Graben heute bis auf das Umgebungsniveau verfüllt ist. Hier muss ein Übergang existiert haben, womöglich ein Torturm mit Zugbrücke, dessen Reste wiederum im Versturz bzw. im aufgetragenen Boden zu vermuten sind. Da selbst in der teilweise freigeräumten Oberburg weder Brunnen, noch Zisterne entdeckt wurden, rechnet man mit einer Wasserversorgung aus einem Abzweig des unterhalb des Burggeländes erreichbaren Eselsgrabens.

 Bild 20 (1.12.24) Abb. 25

  Bild 21 (1.12.24)  Abb. 26

  Bild 22,1 (1.12.24)  Abb. 27 

 

Randeck wurde nachweislich erst im Zuge des Pfäzischen Erbfolgekrieges 1689/90 von Truppen des französischen Königs Ludwig XIV gründlich zerstört, der Bergfried als repräsentativ-wehrhaftes Element der als Festung und Unterschlupf nutzbaren Burg gesprengt. Bereits im Dreißigjährigen Krieg an die von Reigersberg verlehnt, ging Randeck nach dem Tod des letzten Lewensteiner Lehensnehmers, Deutschordensritter Hans Ludwig von Lewenstein, und dem Aussterben der Flersheimer 1668 an den gleichnamigen Sohn des kurmainzischen Kanzlers Nikolaus Georg von Reigersberg. Die Burg blieb bis Ende des 18. Jh. im Besitz der adeligen Beamtenfamilie und wurde nach 1690 auch teilweise bewohnt. In der Zeit der Zugehörigkeit der Pfalz zur französischen Republik und des Napoleonischen Kaiserreiches geriet die Anlage schließlich in bürgerliche Hände, die zwischen 1802 und 1817 ihre Bausubstanz zwecks Gewinnung verwertbaren Baumaterials durch Einriss weiter reduzierten. Spätere Besitzer waren Familie Moses in Mannweiler, danach die Fabrikantenbrüder Putsch in Rockenhausen. Seit 1978 ist die Ruine Eigentum des KHV Mannweiler.

 

Verfasser: Ronald Bockius

 

 

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